2009
11.23

Nach einem sehr knapp gehaltenen und zunächst mehr verwirrenden als motivierendem Intro findet sich der Spieler als Gestrandeter auf einer Insel wieder. Eine weitere Überlebende gibt sich zunächst recht herrisch, verschwindet aber alsbald in der noch stark anziehenden Storyline des Spiels.
Schon hier, ganz zu Beginn, fällt die schön umgesetzte und zeitgemäß pompöse Grafik ins Auge, beispielsweise bei dem schönen Wasser –  sogar mit Wellen und ansprechendem Brandungseffekt…
(Um hierauf nicht noch mehr Absätze zu verschwenden: Die Grafik ist spitzenmäßig! ^^)
Ebenfalls hier bemerkt man schon unter  Umständen, das einer der to do better-Aspekte nicht hundertprozentig gelingen wollte: Denn auch in Risen gibt es hyperaktive wilde Tiere, die über die Maßen hinaus schnell und unaufhaltsam angreifen können. Zwar lange nicht so schlimm wie in Gothic III, wo man auch als Kämpfer der Stufe 70 vor einem erbosten Wildschwein nicht immer sicher war, aber dennoch auffällig – eben vor allem zu Beginn des Spiels, wo man noch nicht über einen Schild und genug Stärke zum Abblocken verfügt.

Risen offeriert dem Spieler drei Möglichkeiten, seine Fähigkeiten zu spezialisieren (was nebenbei auch sehr angebracht ist, denn Multitalente haben es in diesem Spiel nicht besonders leicht). Entweder möge man sich dem Lager der Banditen unter Don Esteban anschließen und so zu einem Kämpfer oder Jäger werden, der mit Schwert und Schild, beziehungsweise Bogen oder Armbrust durch die Sümpfe marschiert.
Oder die Entscheidung fällt auf den verfeindeten Orden der Inquisition mit dessen Verbündetem, dem Magierorden. Bei der Inquisition gilt vornehmlich der Stabkampf als Wahl der Mittel, wohingegen als Magier wenig überraschend die Benutzung von Feuer, Eis und Magiegeschossen möglich wird.
Wie so oft gilt auch in Risen, dass es Kämpfer zu Beginn an etwas leichter und gegen Ende hin etwas schwieriger haben. Etwas unfair sieht es dafür bei den Magiern aus: Denn während die zu Beginn auch noch zumindest mit einem Schild zur Wildnisabwehr herumlaufen, stellen spätestens ab Geschossstufe acht kaum noch Gegner eine ernstzunehmende Bedrohung dar. Auf der höchsten Stufe schneidet es sich durch Gegnerhorden gar wie mit heißer Klinge durch frische Butter… ;-)

Die Auswahl zwischen den drei Hauptwegen, das Spiel zu bestreiten, resultiert jedoch leider auch in einer Zwangsauswahl der bevorzugten Fraktion: Entweder für den Don oder für den Inquisitor, etwas anderes oder gar einen neutralen Weg gibt es nicht. Während das für die Story gen Finale nicht besonders schlimm erscheinen wird, ist es umso nerviger bis dahin: Viele Nebenquests erfordern stumpfes Denken in schwarz-weiß und laufen stark stereotyp ab. Dadurch verliert der ansonsten doch gewitzte – und im übrigen auch wieder namenlose – Held an Farbe, denn wo er einerseits mit Geistesgegenwärtigkeit und flotten Sprüchen punkten kann, „bemerkt“ er andererseits den Extremkontrast seiner beschränkten Handlungsmöglichkeiten nicht ansatzweise.

Ebenso nahtlos gelungen wie die tolle Synchronisation der deutschen Sprachausgabe ist das Ineinandergreifen der Spielwelt. Da Risen kontinuierlich im Hintergrund nachlädt, entfallen Wartezeiten nach dem Start des Spiels völlig und erlauben, für aktuelle Maßstäbe mittlere Rechenpower vorausgesetzt, allzeit ruckelfreies Spielvergnügen.
Das ist insbesondere deshalb schön, da die ausreichend vorhandenen Nebenquests den Helden kreuz und quer über die gesamte Insel jagen – was später, zum großen Glück, dank einiger Teleportsteine auch sehr fix vom Fuße geht und so viel lästige Lauferei erspart.
Die Quests reihen sich ebenso nahtlos an die Hauptstory an und ergänzen sie angenehm, was der auch insgesamt sehr urigen Atmosphäre von Risen sehr zugute kommt. Beispielsweise ist die Ausbildung als Magier nicht von vorneherein möglich, so wie jene als Bandit oder Soldat der Inquisition. Um an die potenten Zauber zu gelangen, will nämlich zunächst die heldenhafte Würdigkeit in der Hafenstadt mittels einiger Quests bewiesen werden.
Und gerade die Magierausbildung verdient, ob ihrer tollen Atmosphäre innerhalb der Vulkanfestung und der dazugehörigen Quests, separat belobt zu werden – wer bei dem Zitat „Ich glaube, Du hast die Bibliothek noch garnicht betreten“ ebenso schmunzeln muss, wird sofort wissen wieso. ;-)

Etwas bedrückter sieht es dagegen im Banditenlager aus: Zwietracht und Intrigen innerhalb der Mannschaft machen das Leben unangenehm, noch dazu kommt eine vergleichsweise bescheidene Auswahl der Waffen. Die mag zwar alles in allem schon ausreichend groß sein, mutet aber letztendlich etwas langweilig an. Da hilft auch das erlernbare Schmieden nicht aus – fast alle Waffen können später ohnehin gekauft werden.
Ebenso drückend wirkt das Kampfsystem auf die Atmosphäre, das, einmal bemerkt, jeden Kampf zur Farce werden lässt. Verfügt man erst über einen Schild, lassen sich alle Angriffe einfach abwehren und mit zwei direkt aufeinanderfolgenden Schlägen erwidern – das führt meist zu einem Treffer. Wer dann noch nach einer erfolgreichen Abwer einen Seitensprung ausführt, kann zielsicher zwei bis drei schwere Schläge austeilen. So lassen sich (leider!) auch als Schwächling wichtige Kämpfe sofort erfolgreich bestreiten, selbst wenn dafür „eigentlich“ eine bessere Waffe oder wesentlich mehr Erfahrung nötig wäre. Schade!

Darüber tröstet die zumindest brauchbare Quest- und Kartenverwaltung etwas hinweg. Die meisten Orte lassen sich schnell finden und bereiten allenfalls gewollt Schwierigkeiten – und sei es nur, um die Spieldauer noch etwas zu dehnen. ;-)
Insgesamt ist Risen ein hervorragendes Spiel, das seiner geheimen Zielsetzung, „das wahre Gothic“ zu sein und so die Käufer dessen dritten Teils nachträglich ein Kleinwenig zu entschädigen, mehr als nur nahe kommt. Es gibt viel zu entdecken und auch einige erfreuliche Überraschungen, dazu treibt die dichte Story zu stetem Weiterspielen.
Damit ist Risen nicht nur für alle Genrefreunde unbedenklich zu empfehlen.

(Bilder © XBox360Achievements)

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