2009
08.05

Das Konzept ging auf, gleich millionenfach und gab somit der Idee Recht.
Während der Spaßfaktor des Singens von einigen sicher bezweifelt werden kann (und darf) und je nach Setliste auch schonmal einiger flüssiger Motivation bedarf, lässt sich spätestens mit dem Schlagzeug jeder ködern. Der heimliche Traum kleiner Jungen, mal mehr oder weniger musikalisch – doch auf jeden Fall deutlich hörbar, so richtig zu auszuflippen geht in Erfüllung. Und dank der visuellen Anleitung, was als Nächstes zu tun ist, auch nicht allzuoft in die Hose (sofern man sich nicht mit dem Schwierigkeitsgrad arg übernimmt ;-).

Ein fetter Pluspunkt ist das sehr große Répertoire an spielbaren Songs: Abwechslung ist garantiert. Und in diesem Punkt ist die Vorlage auch besser als der Spätzünder Guitar Hero: World Tour, denn dort werden die Spieler mit teilweise überaus langen – und dabei auch noch… „experimentellen“ – Songs ein wenig gequält.
So ergibt sich bei Rock Band eine angenehm lange Kampagne mit viel guter Musik – gekrönt von der „Endless Setlist“, welche man im Multiplayer absolvieren darf. Das bedeutet, wie der Name schon suggeriert, alle Songs des Spiels an einem Stück zu spielen. Viel Spaß bei circa fünf Stunden Controller-Mashing ;-)

Der Schwierigkeitsgrad ist für jeden Übungsgrad gut anpassbar und insgesamt wohldefiniert, auch Gelegenheitsspielern wird das Achievement „Lord of the Strings“, für das Durchspielen der Gitarrenkarriere auf höchstem Niveau, nicht ewig verschlossen bleiben – ganz im Gegensatz zu Guitar Hero III, welches diesbezüglich deutlich mehr Zähne zeigt. Insgesamt sind die Achievements hier sinnvoller über die spielerische Landschaft verteilt, grobe Unsinnigkeiten durch unmenschlichen Schwierigkeitsgrad gibt es nicht.

Wie mittlerweile üblich und auch bereits von frühen GH-Titeln begonnen, lässt sich der digitale Avatar hinsichtlich seiner Kleidung, Accessoires und Instrumente bis in kleine Details wie Schmuck und Tätowierungen den eigenen Vorlieben gemäß anpassen. Dies ist auch die einzig sinnvolle Verwendung für das in kleinen Häppchen verdiente Spielgeld – Sammel-Achievements á la „kaufe alle Gitarren“ gibt es nicht, dabei wäre es gerade in Rock Band wegen des humaneren Schwierigkeitsgrades interessant.

Nach all dem kleinkrämerischen Geplänkel über Achievements und unbeliebte Songs in der Setliste nun noch ein Punkt, der seit dem Aussteig von Harmonix bei Guitar Hero nach dem zweiten Spiel überhaupt erst aufkam: Die Musik.
Es häuften sich, gerade bezüglich Guitar Hero III, Beschwerden über eine qualitativ wohl schlechtere Umsetzung der Songs im Spiel. Das bezieht sich nun einerseits auf die Aufnahmequalität der nicht von den originären Künstlern eingespielten Titeln (es sei wieder „Killing in the name“ von Rage Against the Machine genannt) und liegt somit im Verantwortungsbereich der für die Aufnahmen eingestellten Studiomusiker. Allerdings, mit eben genannten Ausnahmen, dürften wohl nur wenigen dramatische Unterschiede zum Original auffallen – diese Leute verdienen schließlich nicht umsonst Geld mit der Beherrschung ihres Equipments. ;-)
Ein anderer und mMn pikanterer Grund für Beschwerden ist die Umsetzung des Songs in die später konkret zu bedienenen Tasten, eben das Gameplay als solches. Das mag nun kleinlich erscheinen, doch ruft man sich ins Gedächtnis, dass hier auch komplexeste Strukturen auf fünf farbige Tasten heruntergebrochen werden, so wird die Wichtigkeit einer leicht verständlichen Verbindung zwischen hörbarer Musik und zu bedienenden Controllern deutlich. Wenn es hier, genauso wie fast überall auch, gespaltene Lager gibt, so bin ich geneigt, dem Harmonix-Team (Guitar Hero I & II, seitdem Rock Band) die größere Kompetenz zu attestieren. Denn was beim Neversoft-Team (Guitar Hero III ff.) in hoher Geschwindigkeit und „komplexen“ Griffmustern (wie es bei fünf Tasten nunmal gerade eben möglich ist) etwas ausartet und so den teilweise überaus hohen Schwierigkeitsgrad ausmacht, gestaltet sich bei Rock Band schlicht „musikverbundener“.
Ob die vielen starken Worte für die Beschreibung solch filigraner Details nun die Zeit des Lesens wert sind oder lediglich das Echauffement eines Unfähigen sind, mag natürlich jeder für sich selbst entscheiden. Für mich auf der einsamen Insel wäre es in diesem Fall Rock Band.

Abschließend sei noch auf eine möglicherweise verminderte Qualität der Rock Band Controller hingewiesen, insbesondere das Basspedal des Drumsets und den Anschlagschalter der Gitarre. Hierzu jedoch mangels eigener Erfahrungen nur der Verweis auf den entsprechenden Abschnitt der englischen Wikipedia.

(Bilder © XBox360Achievements)

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