Man übernimmt abwechselnd die Steuerung zweier Teams, die zeitlich versetzt über Abschnitte der vorgeblichen, afrikanischen Stadt New Mombasa streifen.
Womit wir auch schon direkt im Thema wären: Der Stadtrat scheint bei der Gießung der Stadt aus hübsch grauem Beton wenig deren Zweckmäßigkeit oder Ästhetik im Sinn gehabt zu haben. Alles wirkt steril konstruiert, kalt und und wenig lebensbefürwortend, wie frisch aus dem Editor. Trotz der völligen Abwesenheit von Zivilisten ist das Gras allenortes frisch gemäht, alle Bäume und Büsche sind perfekt gestutzt. Deckung bieten die Straßen durch zerstörte Fahrzeuge und haufenweise Container et cetera genügend, doch lebensechte Details wie Müll oder Dreckhaufen sucht man vergebens; einige wenige zerschossene, grobklotzige Gebäudereste müssen als Atmosphärekulisse reichen. Stattdessen versucht Hersteller Bungie anscheinend, Spannung aus der Helligkeitsverteilung zu ziehen, denn ODST ist arschdunkel. Stellenweise mag der Nachtsichtmodus gut aushelfen, doch insgesamt ist so mancher Pavian besser ausgeleuchtet. ;-)

Überhaupt könnte die Atmosphäre gern um einiges dichter sein: Die Story wird zu großen Teilen über Audiologs im Hintergrund erzählt, nur wenige und stets kurze Zwischensequenzen lockern den stumpfen Shooter-Trott etwas auf. Dadurch entsteht schnell der Eindruck, wenn auch nicht so dramatisch wie bei Halo 3 selbst, man hechte in bester Flitzermanier durch die Level, mindestens zwei Drittel aller wichtigen und drei Viertel aller vorhandenen Features verpassend. Insgesamt kann man sich schnell etwas verloren vorkommen – dabei hilft auch die (mal wieder) dämliche KI der unterstützenden Soldaten nicht weiter. Zum Glück sind auch die Gegner nicht merklich schlauer: Sie laufen Wegpunkte an und sind davon abgesehen reichlich ereignislos. Daher ist es auch kein Problem, aus großen Gegnermengen einzelne herauszulocken und in Seelenruhe fertigzumachen, von Gruppenverhalten oder gar taktischem Vorgehen keine Spur.

Wenigstens sieht ODST recht gut aus. Zwar ist weder die eckige, altmodische Levelarchitektur, noch sind deren Texturen besonders gut, und auch die Waffen- und Spielermodelle reißen Grafikverwöhnte nicht vo Hocker – und doch ist es letztlich die Mischung aller Elemente, die irgendwie zu gefallen wissen.
Soundtechnisch liegt das Spiel voll im Durchschnitt: Musik ist vorhanden, Soundeffekte ebenso. Leider ist die deutsche Synchronisierung der Videos und Charaktere voll in die Hose gegangen: Die Sprecher klingen, wie frisch in die Pubertät gelangt, quietschend und erbärmlich – einige Fehlbetonungen, zusammen mit der deutsch-typisch stocksteifen Übersetzung machen den Versagereindruck komplett. Zum Glück gibt es wenigstens die englischen Untertitel dazu – wer jetzt seinen eigenen Audiofilter für Störgeräusche mitbringt, ist damit ausreichend bedient. ;-)

Wer nach diesen Absätzen nun den völligen Verriss im Fazit erwartet, liegt weder falsch noch richtig. ODST hat zahlreiche Macken, die das ohnehin unmögliche Erreichen einer perfekten Bewertung in ferne Jahrzehnte rücken lassen, einige davon wurden im Text beschrieben. Doch kann das Spiel auch Vorteile für sich verbuchen: Die Steuerung funktioniert tadellos, es ruckelt nichts, es gibt funktionierendes Co-op samt Achievements und der Schwierigkeitsgrad ist selbst auf „Legendary“ gut schaffbar. Dazu kommt noch der undefinierbare Faktor X, der uns, trotz aller Negativa, eine Menge Spaß beim Spielen haben ließ.

Daher ist ODST für Shooter- und Halo-Fans wohl durchaus eine Matratze, auf der man mal gelegen haben sollte. Ob es dann bei einem One-Night-Stand bleibt, muss wie immer jeder für sich selbst entscheiden.

(Bilder © XBox360Achievements)

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